«Tote Hose» - Pilzsuche lohnt sich derzeit kaum
Trotz einzelner Funde ist für Pilzsammler derzeit Geduld gefragt. Die meisten Pilze kommen erst im Herbst, und den meisten Sommerpilzen ist es jetzt zu heiß.
Die Sommerpilz-Saison verläuft nach Angaben des Brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen (BLP e.V.) nicht gut. Normalerweise könnte man jetzt etwa Pfifferlinge finden, sagt Wolfgang Bivour, Vorsitzender des Landesverbands, aber «die Saison ist schlecht». Das sei vor allem witterungsbedingt.
Pilze mögen es feucht und nicht zu heiß. Selbst wenn es regne, sei «die Feuchtigkeit bei 30 Grad auch wieder schnell raus», sagt Bivour. «35 oder 40 Grad, das tut keinem Pilz gut.» Pfifferlinge gebe es in der Regel von Ende Mai bis in den November hinein, sie sind relativ tolerant, was die Temperaturen angeht und können lange auf Feuchtigkeit warten. Aber «was zu wenig ist, ist zu wenig», sagt der Pilzsachverständige Bivour. Jetzt sei «tote Hose».
Pilzmyzel, das von Pilzen gebildete Netzwerk im Boden, könne kleinste Feuchtigkeitsmengen aufnehmen, besonders wenn der Boden etwa von Laub bedeckt ist und etwas feucht bleibt.
Dort werden auch die Fruchtkörperanlagen gebildet und kommen bei entsprechender Witterung nach oben. Nach einer längeren Trockenperiode dauert es nach kräftigem Regen meist etwa zwei bis drei Wochen, bis sich Pilze zeigen.
Anfang Juni habe es noch gut ausgesehen, sagt Bivour. Der Schwefelporling habe etwa Anfang Juni einen sehr guten Schub gehabt und auch die Pfifferlinge hatten einen guten Start. Aber dann sei die Trockenheit zurückgekommen. «Im Juli war eigentlich gar nichts los.»
Auch Rotfußröhrlinge oder Hexenröhrlinge gebe es normalerweise zu dieser Zeit, aber auch für sie sei es zu heiß. In Berlin und Brandenburg war der Juli vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes zufolge ungewöhnlich warm. Während in Berlin überdurchschnittlich viel Regen fiel, fiel in Brandenburg etwas weniger als im Durchschnitt.
Im Norden Brandenburgs, etwa in der Uckermark, höre er von kleineren Pilzfunden, sagt der Sachverständige, auch in der Lausitz. Aber: «Es lohnt sich nicht in ganz Brandenburg auf Pilzpirsch zu gehen». Ähnliches gelte für Berlin, Funde seien regional stark begrenzt. Wer Pilze suchen wolle, dem empfiehlt Bivour, die Niederschlagsmengen nachzuschauen.
Die meisten Pilze kommen im Herbst, die Hauptsaison ist von September bis Oktober. Auch Holzbewohner wie Austernseitlinge, die nicht so sehr von Niederschlägen abhängig sind, weil sie ihre Feuchtigkeit aus dem Holz ziehen, gebe es eher im Herbst oder Winter. Im Hochsommer wachse dagegen auch der mit dem Austernseitling verwandte Lungenseitling, aber da müsse man sich beeilen, sagt Bivour: Die Fruchtkörper wachsen schnell, vergehen bei der Wärme aber auch schnell wieder, sagte der Sachverständige. «Das ist was für Spezialisten, die wissen, wo sie hingehen müssen.»
