Aufarbeitungsbeauftragte zeigt sich auch kritisch zu Stolpe
Potsdam - Die Beauftragte Brandenburgs zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, hat die Arbeit des gestorbenen früheren Ministerpräsidenten Manfred Stolpe gewürdigt, sich aber auch kritisch gezeigt. Stolpe habe die Entwicklung des Landes maßgeblich geprägt und habe unbestrittene Verdienste, erklärte Nooke heute in einem Nachruf.
«Seine umstrittenen Kontakte zum Staatssicherheitsdienst der DDR und sein Umgang nach 1989 mit seiner Verstrickung als Kirchenfunktionär in den Macht- und Sicherheitsapparat der Diktatur haben jedoch die Aufarbeitung der Geschichte und der Folgen der SED-Diktatur im Land Brandenburg verzögert.»
Nooke sprach in der Mitteilung von einer späten Einrichtung einer Aufarbeitungsbehörde, einer anfänglich geringen Unterstützung für Opferverbände und Aufarbeitungsinitiativen sowie für die, die in der SBZ/DDR hätten Unrecht erleben müssen.
Stolpe war in der Nacht zum Sonntag im Alter von 83 Jahren gestorben. Er war der erste Ministerpräsident Brandenburgs im wiedervereinten Deutschland, später wurde er Bundesverkehrsminister. In den 1980er Jahren war Stolpe Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Als Kirchenfunktionär hatte er Kontakte mit der Stasi. Die Leitung der evangelischen Kirche erklärte Mitte der 1990er Jahre nach einer Untersuchung, Stolpe sei ein Mann der Kirche und nicht der Stasi gewesen. Das Bundesverfassungsgericht entschied 2005, dass er nicht als Stasi-Mitarbeiter zu bezeichnen sei.
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