Berlin I love you
Ein Grosstadtgedicht über die Liebe
Wenn bei einem neuen Film mehr über seine Entstehung als über den Inhalt gesprochen wird, dann deutet das auf gehörige Probleme hin. «Berlin, I Love You» ist so ein Fall. Schon im Vorfeld gab es Häme von einigen Bewohnern der Stadt, Kritik vom damaligen Berlinale-Chef Dieter Kosslick und sogar einen kleinen Skandal um den chinesischen Künstler Ai Weiwei. Der Regimekritiker hatte einen Kurzfilm für den Episodenreigen gedreht, erlebte aber dann eine Überraschung: Sein Teil war herausgeschnitten worden.
In einem Interview vermutete der Künstler hinter diesem Rausschmiss Zensur. Die Verantwortlichen hätten aus Angst vor politischen Konsequenzen und schlechteren Vermarktungschancen vor der Regierung gekuscht, erklärte er. Angeblich hätte sogar die Berlinale den Film abgelehnt, weil Ai Weiwei ein Teil davon war. Der damalige Festivalchef Kosslick wies das damals zurück. «Wir haben den Film nicht ausgewählt, weil er einfach grottenschlecht ist», erklärte er unumwunden. Das sitzt - und passte zu manchen Reaktionen in der Hauptstadt auf den Trailer.
Dort gab es bereits für den Werbeclip zum Film viel Spott. Berlin, das ist doch immerhin die Stadt, in der alte Matratzen am Straßenrand liegen und man im U-Bahnhof auch mal über eine Pfütze Erbrochenes steigen muss. In der Filmvorschau jedoch wirkte die Metropole wie ein aufgeräumtes Jeder-findet-seine-große-Liebe-Paradies - ein global seltsam unverankerter Ort zum Wohlfühlen für die Mittelschicht.
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