Techno-Parade im Zeichen des CSD-Anschlags
Berlin wird am Wochenende erneut zum Anziehungspunkt für die Techno-Szene. In diesem Jahr steht die Party-Demo unter besonderer Beobachtung.
Drei Wochen nach dem islamistischen Anschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin soll die Techno-Parade «Rave The Planet» an diesem Samstag mit einer Schweigeminute beginnen. «Das war ein Angriff auf queeres Leben, aber auch ein Angriff auf uns», sagte Ellen Dosch-Roeingh, Mitbegründerin und Gesellschafterin der gemeinnützigen Organisation Rave The Planet
Die Techno-Parade am 15. August ist zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule auf der Straße des 17. Juni geplant, die durch den Tiergarten führt – unweit vom Anschlagsort, wo am 25. Juli von einem islamistischen Attentäter eine Frau getötet und mindestens 31 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.
Das Sicherheitskonzept sei nach dem Angriff in enger Abstimmung mit der Polizei nochmals besprochen worden, erklärte Dosch-Roeingh. «Wir hatten schon vor dem 25. Juli ein sehr solides Konzept, Kleinigkeiten wurden aber noch einmal angepasst.» Dieser Prozess setze sich ständig fort.
«Rave The Planet» soll bereits zum fünften Mal stattfinden. Der als Dr. Motte bekanntgewordene Matthias Roeingh will nach eigenen Worten mit ihr die Geschichte der Loveparade weitererzählen, die er und sein damaliges Team als politische Demonstration ins Leben riefen.
Was 1989 mit einer politischen Demonstration auf dem Ku'damm startete, wuchs zu einem Großereignis mit Millionenpublikum. 2005 wurde die Marke verkauft, die Techno-Parade zog nach Nordrhein-Westfalen – und endete 2010 mit anderen Organisatoren in Duisburg in einer Katastrophe. 21 Menschen im Alter von 17 bis 38 Jahren starben, rund 650 Besucher wurden verletzt.
Im Juli 2022 brachten Dr. Motte und sein Team die «Rave the Planet Parade» zum ersten Mal auf die Straße. Am Samstag werden unter dem Motto «Imagine Love» nach Veranstalterangaben 34 Motivwagen (Floats) auf der Straße des 17. Juni dabei sein. Rund 300.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Dr. Motte und Team wie im Vorjahr angemeldet.
Das entspreche nach einem Gutachten dem Richtwert für die maximale Auslastung der Strecke, erklärte Dosch-Roeingh. «Wir können keine validen Angaben dazu machen, wie viele wirklich kommen.» Im vergangenen Jahr nahmen laut Veranstalter rund 200.000 Menschen teil, die Berliner Polizei ging von gut 100.000 aus.
Feuerwehr und ein Sanitätsdienst des Veranstalters sind wieder im Einsatz, es soll fünf Unfallhilfestellen geben. Im vergangenen Jahr mussten viele Menschen behandelt werden – meist ging es nach Angaben eines Feuerwehrsprechers «um klassische Veranstaltungssymptome», also alkohol- oder drogenbedingte Probleme. Die Veranstalter riefen die Besucher im Vorfeld auf, auf sich zu achten: «Wir können den Leuten nichts vorschreiben und nur an den Verstand appellieren», so Dosch-Roeingh.
