Hilfe für Suchtkranke
Der als Anlaufstelle für Obdachlose eingerichtete Kreuzberger Nachthafen am Kottbusser Tor ist nach Angaben der Johanniter seit Jahresbeginn rund 20.000 Mal von Hilfsbedürftigen aufgesucht worden. Die Einrichtung richtet sich insbesondere an Menschen, die wegen Suchterkrankungen oder Konsumdrucks durch das Raster klassischer Hilfsangebote fallen. Über die Arbeit im Nachthafen informierten sich am Dienstagabend Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) und die Kreuzberger Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne). Anlass war die Fortführung des Angebots über die Wintersaison hinaus bis Ende 2026.
Tagsüber betreibt die gemeinnützige Gesellschaft Fixpunkt in denselben Räumen die Kontaktstelle Kotti mit Drogenkonsumraum und Beratungsangeboten. Nachts nutzen die Johanniter die Räume für den Nachthafen. Schlafplätze gibt es hier nicht, aber obdachlose Menschen können sich in einem geschützten Raum aufhalten, erhalten Essen und Trinken sowie Unterstützung, etwa bei der Vermittlung in weiterführende Hilfsangebote.
Bei der Zahl der sogenannten Gastkontakte wird jeder Besuch der Einrichtung gezählt, viele Menschen kommen mehrfach. Seit Januar haben also nicht 20.000 Menschen den Nachthafen aufgesucht, sondern mutmaßlich deutlich weniger. Den Großteil der Finanzierung übernimmt laut den Johannitern die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung.
Für obdachlose Menschen sind Notunterkünfte ein wichtiger Schutzraum. Doch nicht alle können solche Angebote nutzen - etwa weil ihre Sucht übermächtig ist und sie dafür nicht unter Drogeneinfluss stehen dürfen. Der Nachthafen richtet sich vor allem an jene, die reguläre Notschlafstellen nicht nutzen können.
Kiziltepe verwies bei ihrem Besuch darauf, dass Suchthilfe und Wohnungslosenhilfe in Berlin unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen zugeordnet seien. Umso wichtiger seien Angebote, die beides miteinander verknüpften. «Das ist in Berlin etwas Besonderes», befand auch Herrmann.
