Wie türkische Arbeitskräfte nach Berlin gekommen sind
Ein Abkommen zum Anwerben türkischer Arbeitskräfte vor 65 Jahren hat auch Berlin verändert. Zehntausende kamen daraufhin in den Westteil der Stadt - und viele sind geblieben.
Ein Abkommen zum Anwerben türkischer Arbeitskräfte vor 65 Jahren hat auch Berlin verändert. Zehntausende kamen daraufhin in den Westteil der Stadt - und viele sind geblieben.
Im Jahr des Mauerbaus vor 65 Jahren war Migration noch ein Fremdwort. Als Ende Oktober 1961 in Bad Godesberg das deutsch-türkische Abkommen zum Anwerben von Arbeitskräften aus der Türkei unterzeichnet wurde, konnte sich kaum jemand vorstellen, wie sehr sich Berlin dadurch verändern würde.
In den zwölf Jahren danach reisten nach offiziellen Angaben rund 867.000 Frauen und Männer aus der Türkei nach Westdeutschland ein, allein rund 82.000 kamen nach West-Berlin. Bis Ende des Jahres 1961 waren es nur 284, doch danach zog die Zahl steil an. «Der Fachkräftebedarf war enorm, auch in Westberlin, gerade durch die geteilte Stadt», so die Berliner Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial.
Zu Beginn der 1970er-Jahre arbeiteten Menschen aus der Türkei in Berlin nach Angaben aus der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Integration und Vielfalt vor allem als Industriearbeiterinnen und -arbeiter.
Wichtige Branchen waren unter anderem die Elektroindustrie, die metallverarbeitende Industrie, der Maschinenbau, die Nahrungsmittelindustrie. Zu den großen Arbeitgebern gehörten unter anderem AEG, Siemens und die Berliner Verkehrsbetriebe oder das Kakao- und Schokoladenwerk in Berlin-Lichtenrade.
Ursprünglich war das Abkommen als eine Lösung auf Zeit gedacht, um zunächst für zwei Jahre Arbeitskräfte für die stark wachsende deutsche Wirtschaft zu gewinnen. Doch schon 1964 wurde die Befristung aufgegeben und ein dauerhafter Aufenthalt sowie der erleichterte Nachzug der Familien ermöglicht.
Berlinweit leben heute nach den Daten aus der zuständigen Senatsverwaltung rund 210.000 Menschen mit Türkeibezug. Mehr als 100.000 von ihnen sind türkische Staatsangehörige. In der Hauptstadt sind sie mit Abstand die größte migrantische Community.
Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe macht sich für ein Museum in der Hauptstadt stark, das an die Geschichte der Migration erinnert: «Mein Vater kam 1961 aus der Türkei nach Deutschland. Wie viele andere hat er hart gearbeitet, Entbehrungen auf sich genommen und seinen Kindern neue Wege eröffnet», teilte die SPD-Politikerin mit.
«Auch mein eigener Lebensweg steht auf den Schultern dieser ersten Generation. Diese Menschen haben Berlin mit aufgebaut und unsere Stadt zu dem gemacht, was sie heute ist.» Ihre Geschichte verdiene einen festen Platz in der deutschen Erinnerungskultur. «Deshalb setze ich mich für ein Migrationsmuseum ein. Denn die Geschichte der Einwanderung ist die Geschichte Berlins.»
Um an das am 30. Oktober 1961 unterzeichnete Anwerbeabkommen zu erinnern, ist am späten Nachmittag im Roten Rathaus eine Festveranstaltung geplant. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Kiziltepe und Niewiedzial wollen dabei die Lebenswege und Leistungen der ersten Einwanderergeneration würdigen.
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